Tauchen in Tulamben auf der Suche nach Mondfischen
Tulamben Bali auf der Suche nach den Mondfischen – erster und zweiter Mai 2008
Nachdem Atsuko von den Mondfischen erzählt hatte, die ihr unerwartet in Tulamben begegnet waren, „musste“ ich nach Tulamben zum Tauchen fahren. Ich fuhr allein los, mit dem Motorrad. Das war etwas Neues. Ich kenne die Tauchkollegen in Tulamben und das Leihen von Flaschen ist dort kein Problem für mich. Das Verstauen der Tauchausrüstung auf dem Motorrad war gar nicht so schwierig. Dazu kamen dann noch die Videokamera und das Unterwassergehäuse, Lampen und eine kleine Kompaktkamera in einem entsprechenden Gehäuse.
Die Kurven durch die Landschaft Balis sind wunderbar anregend. Die Fahrfreude wird nur durch dichten Verkehr getrübt, der durch schwarze Dieselwolken ausblasende Lastwagen, zur Geduldsprobe werden kann.
Als ich in Tulamben ankam, hat mich einer der Taucher beim Puri Mada, einer Bungalowanlage mit Restaurant, freundlich begrüßt.
Wie, mit dem Motorrad?
Ja, warum nicht? Das ist doch mal was anderes.
Eine halbe Stunde später war ich im Wasser. Wracktauchen an der Liberty in Tulamben, dem berühmtesten Wrack Indonesiens, wie ich glaube.
Nein, ich glaube nicht, dass ich jetzt auf Mondfische treffen werde. Die erhoffe ich mir am nächsten Morgen.
Der Tauchgang ist schön. Die Makrelen ziehen glotzäugig ihre Kreise. Die Sandaale dümpeln in der leichten Strömung. Süßlippen schauen wie immer beleidigt und drehen sich vorsichtig weg, um auf Nummer sicher zu gehen. Ein Zacki schwebt, seiner Würde bewusst, ins Innere des Wracks. Das Loch ist zu klein, um ihm nachzukommen.
Ich suche ein Weichkorallengitter nach Zwergseepferdchen ab und finde keines.
Etliche Reinigungkrabben hüpfen gleich neben der Weichkoralle auf und ab. Vielleicht halten sie mich für einen Kunden, dem sie die Zähne putzen wollen. Ich bin nicht in der Laune, das auszuprobieren, den Atemregler aus dem Mund zu nehmen und die kleinen, fleißigen Gesellen einzuladen, in meinen Rachen zu schwimmen. Außerdem machen mir solche Spielereien mehr Spaß, wenn sie jemand fotografiert.
Tulamben Nachttauchen. Die Farben sind intensiver als tagsüber. Ich liebe die gelben Korallenbüschel, die im Kegel der Taschenlampe leuchten wie kleine Sonnen.
Torpedoförmige Quallen zischen durch die Gegend wie die Gegenspieler von Raumschiff Enterprise. Das Wasser erinnert nachts sehr an die schwarzen Galaxien des Universums. Korallengebüsch, oder was immer das sein mag, bewegt sich Beute suchend über den Untergrund. Die stecknadelkopfgroßen Augen von kleinen Krabben leuchten und verleiten mich zu Fotos.
Ein großer Papageienfisch irrt orientierungslos durch das versunkene Schiff. Das Licht meiner Lampen bringt ihn aus der Fassung. Ein Pufferfisch rudert rundbäuchig vor einer roten Weichkoralle. Ich fotografiere einen dünnbeinigen kleinen Krebs, der sich an dürren Zweigen einer Koralle zu tarnen versucht.
Als ich nachschaue, wie viel Luft ich noch in der Pulle habe, sehe ich einen Federstern am Druckmesser hängen. Ich löse ihn ab und er krault vielbeinig durch die schwarze Unterwasserwelt.
Der nächste Morgen ist wunderschön. Die Sonnenaufgänge in Tulamben sind etwas Besonderes. Fischerboote am Horizont. Winzige Wellen lecken an den schwarzen Steinen, über die ich ins Wasser gehe.
Werden die Mondfische da sein?
Es ist schön, am Morgen zu tauchen. Die großen Papageienfische schweben in Gruppen spitzschnablig durchs Wasser. Die Makrelen sind wieder da. Mit ihnen wird das Wasser lebendig. Manchmal kreist ein Räuber, ein Angehöriger einer riesigen Makrelenart, um den Schwarm. Aber diesmal sehe ich ihn nicht.
Ich fotografiere spitzmündige Seehasen. Dann suche ich wieder die Weichkoralle nach den Zwergseepferdchen ab und finde wieder keines.
Den zweiten Tauchgang beginne ich kurz nach neun Uhr. Die Wahrscheinlichkeit, jetzt noch Mondfische zu sehen, erscheint mir gering. Aber vielleicht stecken die Kerle im Tiefen, denke ich und beschließe, dort nachzusehen.
Jenseits der vierzig Meter Marke finde ich eine orange Oberflächenmarkierung, die wohl jemand verloren hat. Der Schnurrest sieht aus, als wäre er gerissen. Ich rolle die Wurst zusammen und stecke sie in die Tauchweste.
Der Tauchgang ist wegen der Tiefe relativ kurz. Ich mache einen ausgiebigen Sicherheitsstopp. Die Sonne scheint. Es ist angenehm, mich richtig aufzuwärmen.
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Posted on 06 May 2008 by michaelv